Wandappliken Hoffmann Hans Miedler Fine Art Wien, Wiener Werkstätten

Museale, drei-armige Wandappliken und acht-armiger Luster, Entwurf Josef Hoffmann

Ausführung Wiener Werkstätte um 1925

Aus­ge­führt wur­den die dreiarmi­gen Wan­dap­p­liken, sowie der achtarmige Lus­ter in gegossen­em und getrieben­em Mess­ing. Beson­ders schön kommt hier die Form der großen, ger­illt aus­ge­führten Mit­telschalen zur Gel­tung, von welch­er die trompe­ten­för­mig aus­ge­führten Arme ausgehen. 

Die hier ver­wen­dete Form ist wohl eine der ele­gan­testen For­men für Schalen dieser Zeit­epoche. Beson­ders bei Hoff­manns Entwür­fen von Sil­ber­ob­jek­ten fand diese Form mehrfach ihre Anwen­dung. Die bei­den dreiarmi­gen Wan­dap­p­liken wur­den bis zum heuti­gen Tag mit Kerzen betrieben, auf Kun­den­wun­sch wäre eine Elek­tri­fizierung natür­lich möglich. 

Die große in hal­brun­der Form aus­ge­führte Mit­telschale ist bei den bei­den Wan­dap­p­liken mit einem deck­elför­mi­gen und mit ein­er kleine Kugel bekrön­tem Abschluss verse­hen. Bei dem Lus­ter (s. Abb. unten) bildet die Bekrö­nung der Mit­telschale eine Deko­ra­tion aus Trauben und Herzblatt, die wir auch in vie­len Hoff­mann Entwür­fen find­en. Die große, in ovaler Form aus­ge­führte Kette ist ein Stilele­ment für sich und geht in eine mit der Mit­telschale kor­re­spondierende Deck­en­schale über. In der Schale sig­niert JH und WIENER WERKSTÄTTE 

Vor­liegen­der Lus­ter sowie die bei­den Wan­dap­p­liken stam­men aus ein­er bedeu­ten­den pri­vat­en Samm­lung, der Samm­lung Schedl­may­er und wur­den bere­its in der Samm­lungsausstel­lung im Leopold Muse­um gezeigt. Lus­ter und Wan­dap­p­liken sind abso­lut bedeu­tende muse­ale Objek­te, von welchen wir annehmen, dass sie, wenn über­haupt, nur in ein­er ganz kleinen Serie gefer­tigt wur­den. Möglicher­weise war es auch eine beauf­tragte Einze­lan­fer­ti­gung für einen bedeu­ten­den Auf­tragge­ber von Josef Hoffmann…

Josef Hoff­mann (1870 – 1956):

Josef Hoff­mann wurde 1870 in Pirnitz/​Mähren in eine sozial und gesellschaftlich schwierige Zeit geboren, aber es war auch der Beginn der Indus­triellen Rev­o­lu­tion mit all ihren pos­i­tiv­en und neg­a­tiv­en Seit­en. Josef Hoff­mann begann 1892 sein Architek­turstudi­um an der Akademie der bilden­den Kün­ste bei Carl von Hase­nauer und Otto Wag­n­er in Wien. Er begeis­terte sich früh für die englisch-schot­tis­che Kun­st­be­we­gung Arts & Crafts. Ihre Vision war es, alle Lebens­bere­iche mit Kun­st zu erfüllen, All­t­ags- und Gebrauch­sob­jek­te schön­er und ästhetis­ch­er zu desig­nen und so kun­stvoll gestal­tete Gebrauchs­ge­gen­stände auch für eine bre­it­ere Gesellschaftss­chicht zugänglich zu machen. J. Hoff­mann wie auch sein Lehrer Otto Wag­n­er waren der Anschau­ung, dass Kun­st sog­ar eine auf die men­schliche Seele heilende Wirkung haben könne. Sie dacht­en die Rolle des Architek­ten viel größer: Von nun an sollte der Architekt gle­ichzeit­ig Design­er sein und auch alle zu ver­wen­den­den Gegen­stände neu entwerfen. 

Diesem Cre­do blieb Hoff­mann zeitlebens treu. Im jun­gen Alter von ger­ade ein­mal 29 Jahren wurde Hoff­mann bere­its zum Pro­fes­sor der Uni­ver­sität für ange­wandte Kun­st in Wien ernan­nt. Darauf erfol­gte ein­er der bedeu­tungsvollen Schritte in Hoff­manns Kar­riere, nach­dem er sich im Jahre 1897 mit Gus­tav Klimt, Kolo­man Moser, Joseph Maria Olbrich, Carl Moll und anderen zu der Vere­ini­gung der Wiener Seces­sion“, welche sich als Gegen­be­we­gung zu den etablierten Kun­stschaf­fend­en ver­stand, zusam­mengeschlossen hat­te. Nur sechs Jahre später begrün­dete er gemein­sam mit Kolo­man Moser und mit Unter­stützung des Indus­triellen Fritz Waern­dor­fer im Jahr 1903 die Wiener Werkstätte.

Zu den ersten acht ikonis­chen Meis­ter­w­erken Hoff­manns muss man das 1904 umge­set­zte Sana­to­ri­um Purk­ers­dorf zählen, bei welchem Hoff­mann von der Innenein­rich­tung bis zu den Gärten alles bis ins kle­in­ste Detail ent­wor­fen hat­te. Dieses Gesamtkunst­werk set­zte fast schon radikale neue Maßstäbe in der Sicht auf Architek­tur und Design. Eines der bedeu­tend­sten Werke Josef Hoff­manns, mit welchem ihm schlussendlich der inter­na­tionale Durch­bruch gelang, war das Palais Sto­clet in Brüs­sel. Bei diesem Bau, welchen er in den Jahren 1905 – 1911 ver­wirk­lichte, kon­nte er seine Vision des Gesamtkunst­werkes vol­lends real­isieren. Architek­tur und Design ver­schmelzen mit dem täglichen Leben, Kun­st wird ein ästhetis­ch­er Teil unseres Alltages.Ein inter­es­san­ter Aspekt zu der Idee des Gesamtkunst­werkes wäre hier, dass bere­its der bedeu­tende dänisch-öster­re­ichis­che Baumeis­ter und Architekt des Klas­sizis­mus und His­toris­mus, Theophil Edvard Hansen (1813 in Kopen­hagen – 1891 in Wien), die Vision eines Gesamtkunst­werkes von Gebäude und Ein­rich­tung hat­te und auch bei eini­gen sein­er Pro­jek­te in Wien umset­zen konnte. 

Die strenge und klare For­men­sprache der Entwürfe von Hoff­mann war Weg­bere­it­er zur Mod­erne und ist, so wie auch die Entwürfe von Adolf Loos, von zeit­los­er Ele­ganz, gefer­tigt in höch­st­möglich­er Qual­ität und Aus­führung. Als Zitat von Bedeu­tung wäre vielle­icht jenes von Le Cor­busier, in welchem er über Josef Hoff­mann sagte:„… heute, wo sich die neuen Gen­er­a­tio­nen … die Früchte der Arbeit der wahren Weg­bere­it­er zu eigen machen, … ist es nur gerecht, … unsere Dankbarkeit zu bezeu­gen gegenüber Män­nern wie Pro­fes­sor Hoff­mann und gegenüber Unternehmungen, die so kühn waren wie die Wiener Werk­stätte. Endlich ist das, was beste­hen bleibt, das – unent­behrlich Über­flüs­sige –, die Kunst.“

Ausstel­lung Leopold Muse­um Wien: Die Samm­lung Schedl­may­er. Eine Ent­deck­ung! 10.09.2021 – 20.02.2022

Das öster­re­ichis­che Samm­ler­paar Her­mi (1941 – 2018) und Fritz Schedl­may­er (1939 – 2013) trug eine hochkarätige Auswahl an kun­st­gewerblichen Gegen­stän­den und Werken aus der bilden­den Kun­st aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts zusam­men. Diese noch weit­ge­hend unbekan­nte Samm­lung wird im Herb­st 2021 erst­mals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Video I & Video II

Wandappliken Hoffmann 03
Paar Wandappliken H: 23,5 cm, B: 50 cm, D: 33,5cm
Wandappliken Hoffmann 01
Luster Josef Hoffmann Wiener Werkstätten, Hans Miedler Fine Art Wien
Luster H: 106 cm, Dm: 82,5 cm
Luster Hoffmann 06
Luster Hoffmann 02
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Leopold Sammlung Wien mit Luster & Wandappliken abgebildet
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