Musealer Luster sowie ein Paar drei-armiger Wandappliken, Entwurf Josef Hoffmann
Ausgeführt wurden der achtarmige Luster sowie die dreiarmigen Wandappliken in gegossenem und getriebenem Messing.
Besonders schön kommt hier die Form der großen, gerillt ausgeführten Mittelschalen zur Geltung, von welcher die trompetenförmig ausgeführten Arme ausgehen. Die hier verwendete Form ist wohl eine der elegantesten Formen für Schalen dieser Zeitepoche. Besonders bei Hoffmanns Entwürfen von Silberobjekten fand diese Form mehrfach ihre Anwendung.
Die Bekrönung der Mittelschale bildet bei dem Luster eine Dekoration aus Trauben und Herzblatt, die wir auch in vielen Hoffmann Entwürfen finden. Die große, in ovaler Form ausgeführte Kette ist ein Stilelement für sich und geht in eine mit der Mittelschale korrespondierende Deckenschale über. In der Schale signiert JH und WIENER WERKSTÄTTE
Die beiden dreiarmigen Wandappliken wurden bis zum heutigen Tag mit Kerzen betrieben, auf Kundenwunsch wäre eine Elektrifizierung natürlich möglich. Die große in halbrunder Form ausgeführte Mittelschale ist bei den beiden Wandappliken mit einem deckelförmigen und mit einer kleine Kugel bekröntem Abschluss versehen. Vorliegender Luster sowie die beiden Wandappliken stammen aus einer bedeutenden privaten Sammlung, der Sammlung Schedlmayer und wurden bereits in der Sammlungsausstellung im Leopold Museum gezeigt.
Luster und Wandappliken sind absolut bedeutende museale Objekte, von welchen wir annehmen, dass sie, wenn überhaupt, nur in einer ganz kleinen Serie gefertigt wurden. Möglicherweise war es auch eine beauftragte Einzelanfertigung für einen bedeutenden Auftraggeber von Josef Hoffmann…
Josef Hoffmann (1870 – 1956):
Josef Hoffmann wurde 1870 in Pirnitz/Mähren in eine sozial und gesellschaftlich schwierige Zeit geboren, aber es war auch der Beginn der Industriellen Revolution mit all ihren positiven und negativen Seiten. Josef Hoffmann begann 1892 sein Architekturstudium an der Akademie der bildenden Künste bei Carl von Hasenauer und Otto Wagner in Wien. Er begeisterte sich früh für die englisch-schottische Kunstbewegung Arts & Crafts. Ihre Vision war es, alle Lebensbereiche mit Kunst zu erfüllen, Alltags- und Gebrauchsobjekte schöner und ästhetischer zu designen und so kunstvoll gestaltete Gebrauchsgegenstände auch für eine breitere Gesellschaftsschicht zugänglich zu machen. J. Hoffmann wie auch sein Lehrer Otto Wagner waren der Anschauung, dass Kunst sogar eine auf die menschliche Seele heilende Wirkung haben könne. Sie dachten die Rolle des Architekten viel größer: Von nun an sollte der Architekt gleichzeitig Designer sein und auch alle zu verwendenden Gegenstände neu entwerfen. Diesem Credo blieb Hoffmann zeitlebens treu.
Im jungen Alter von gerade einmal 29 Jahren wurde Hoffmann bereits zum Professor der Universität für angewandte Kunst in Wien ernannt. Darauf erfolgte einer der bedeutungsvollen Schritte in Hoffmanns Karriere, nachdem er sich im Jahre 1897 mit Gustav Klimt, Koloman Moser, Joseph Maria Olbrich, Carl Moll und anderen zu der Vereinigung der „Wiener Secession“, welche sich als Gegenbewegung zu den etablierten Kunstschaffenden verstand, zusammengeschlossen hatte. Nur sechs Jahre später begründete er gemeinsam mit Koloman Moser und mit Unterstützung des Industriellen Fritz Waerndorfer im Jahr 1903 die Wiener Werkstätte.
Zu den ersten acht ikonischen Meisterwerken Hoffmanns muss man das 1904 umgesetzte Sanatorium Purkersdorf zählen, bei welchem Hoffmann von der Inneneinrichtung bis zu den Gärten alles bis ins kleinste Detail entworfen hatte. Dieses Gesamtkunstwerk setzte fast schon radikale neue Maßstäbe in der Sicht auf Architektur und Design. Eines der bedeutendsten Werke Josef Hoffmanns, mit welchem ihm schlussendlich der internationale Durchbruch gelang, war das Palais Stoclet in Brüssel. Bei diesem Bau, welchen er in den Jahren 1905 – 1911 verwirklichte, konnte er seine Vision des Gesamtkunstwerkes vollends realisieren. Architektur und Design verschmelzen mit dem täglichen Leben, Kunst wird ein ästhetischer Teil unseres Alltages.
Ein interessanter Aspekt zu der Idee des Gesamtkunstwerkes wäre hier, dass bereits der bedeutende dänisch-österreichische Baumeister und Architekt des Klassizismus und Historismus, Theophil Edvard Hansen (1813 in Kopenhagen – 1891 in Wien), die Vision eines Gesamtkunstwerkes von Gebäude und Einrichtung hatte und auch bei einigen seiner Projekte in Wien umsetzen konnte. Die strenge und klare Formensprache der Entwürfe von Hoffmann war Wegbereiter zur Moderne und ist, so wie auch die Entwürfe von Adolf Loos, von zeitloser Eleganz, gefertigt in höchstmöglicher Qualität und Ausführung.
Als Zitat von Bedeutung wäre vielleicht jenes von Le Corbusier, in welchem er über Josef Hoffmann sagte:
„… heute, wo sich die neuen Generationen … die Früchte der Arbeit der wahren Wegbereiter zu eigen machen, … ist es nur gerecht, … unsere Dankbarkeit zu bezeugen gegenüber Männern wie Professor Hoffmann und gegenüber Unternehmungen, die so kühn waren wie die Wiener Werkstätte. Endlich ist das, was bestehen bleibt, das – unentbehrlich Überflüssige –, die Kunst.“
Ausstellung Leopold Museum Wien: Die Sammlung Schedlmayer. Eine Entdeckung! 10.09.2021 – 20.02.2022
Das österreichische Sammlerpaar Hermi (1941 – 2018) und Fritz Schedlmayer (1939 – 2013) trug eine hochkarätige Auswahl an kunstgewerblichen Gegenständen und Werken aus der bildenden Kunst aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammen. Diese noch weitgehend unbekannte Sammlung wird im Herbst 2021 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.