Hans Miedler Session 698 Edit 2

Paar hochdekorative Konsolentische mit Glasperlen Dekoration

Italien, erste Hälfte 20. Jahrhundert

Die bei­den Kon­so­len­tis­che ste­hen auf vier konisch nach oben ver­laufend­en Met­all­beinen, welche mit einem kreuzför­mi­gen Steg ver­bun­den sind. Mit­tig ist die Kreuzverbindung mit zwei in Glock­en­form gefer­tigten Ele­menten dekoriert. 

Alle Ele­mente sind mit trans­par­enten und dunkel­roten Per­len­schüren überzogen.

Das Haupt der Kon­solen ist in Fries und Plat­te ver­spiegelt. Das ver­spiegelte umlaufende Fries ist in Seg­mente unterteilt, in welchen sich aus Glasperlen gefer­tigte Orna­mente befinden. 

Beson­ders schön ist die aus bern­ste­in­fär­bigen Glasper­len­schnüren in der Art ein­er Draperie gefer­tigte Deko­ra­tion, die optisch je von einem in Dia­man­ten­form geschlif­f­e­nen Glasstein gehal­ten wird.

Äußerst sel­tene Kon­so­len­tis­che mit viel Charak­ter und Ausstrahlung…

Tra­di­tion und Geschichte der Glasver­ar­beitung in Mailand:

Die Tra­di­tion Mai­lands in der Glasver­ar­beitung geht schon auf das 16. Jahrhun­dert zurück. Eine der wohl bedeu­tend­sten Werk­stät­ten über­haupt war die Werk­statt der Sarac­chi, die berühmt für die Bergkristal­lver­ar­beitung war. Hier wur­den Schleif‑, Schnitt- und Gravurtech­niken ange­wandt, welche eng mit der Glass­chleifer­ei und deren Tech­niken ver­wandt sind. Hier­aus entwick­elte sich die Tra­di­tion der lom­bardis­chen Glass­chleif- und Gravurtech­niken des 18. Jahrhunderts. 

Mai­land hat­te darüber hin­aus eine große Tra­di­tion im Stein­schnitt (pietra dura und Bergkristall), aus welch­er die Tech­niken für das Glass­chleifen und die Glas­gravur über­nom­men wur­den. Erwäh­nenswert sind hier auch die Pina­cote­ca und die Accad­e­mia di Brera, die 1776 gegrün­det wur­den und ein sehr wichtiges akademis­ches Aus­bil­dungszen­trum – unter anderem für Gravur, Kupfer­stich und Zeich­nung – darstell­ten. Mai­land war zu dieser Zeit ein Zen­trum der deko­ra­tiv­en Kün­ste, und die Glass­chleifer­ei war Teil dieses lux­u­riösen Kunsthandwerks.

Im Ver­gle­ich zu Venedig erlangte Mai­land hinge­gen nie die Bekan­ntheit, die Venedig mit seinen pro­duzieren­den Glas­man­u­fak­turen erre­ichte. In Mai­land beschäftigte man sich mehr mit der Vere­delung, wie dem Gravieren, sowie dem Design und dem Han­del der hier ent­stande­nen Luxu­s­güter. Die hochspezial­isierten Werk­stät­ten pflegten enge Kon­tak­te zu den Kun­stakademien und waren somit in erster Lin­ie ein intellek­tuelles und tech­nis­ches Zen­trum. Dessen Wis­sen hat­te großen Ein­fluss auf das Handw­erk an vie­len europäis­chen Höfen – wie zum Beispiel in Prag am Hof von Kaiser Rudolf II, wo Mailän­der Handw­erk­er das Glas- und Kristallschleifen maßge­blich weiterentwickelten.

Ein span­nen­des, jedoch wenig bekan­ntes Kapi­tel ist die nordi­tal­ienis­che Kun­st­gewer­begeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts. Hier wur­den in der Gegend von Mai­land, in der Lom­bardei und in der Bri­an­za, Möbel aus Glasperlen und Baguet­ten hergestellt. In kleinen, spezial­isierten Werk­stät­ten ent­standen so Objek­te wie kleine Tis­che, Kon­solen, Amphoren und Spiegelrahmen.Ab 1900 entwick­elte sich diese Region zu einem der wichtig­sten Zen­tren der ital­ienis­chen Möbel­pro­duk­tion. In der Zeit von 1900 bis 1940 war die Gegend geprägt von zahlre­ichen kleinen, spezial­isierten Handw­erks­be­trieben, Pol­ster­ern und Holzbear­beitung­sun­ternehmen, die den Grund­stein für die heutige Möbe­lin­dus­trie in der Region legten.

Viele dieser kleinen, spezial­isierten Unternehmen exper­i­men­tierten in diesen Jahren mit neuen Mate­ri­alien wie Glas, Glasperlen und Glassteinen, welche teil­weise auch aus Venedig bezo­gen wur­den. Großen Ein­fluss auf das Design und die Orna­men­tik der Objek­te hat­ten hier­bei auch wieder die Mailän­der Kun­st­gewerbeschulen wie die Accad­e­mia di Brera. Stilis­tisch sind diese Kun­sto­b­jek­te und Möbel zwis­chen Jugend­stil und Art Déco einzuordnen. 

Von der tech­nis­chen Seite her unter­schei­den sich diese aus Glas und anderen Mate­ri­alien gefer­tigten Kun­sto­b­jek­te durch ihre aufwendig auf Draht gefädel­ten Glassteine, Perlen und Baguet­ten deut­lich von den glas­ge­blase­nen Objek­ten aus Venedig. Diese aufwendig und kun­stvoll gefer­tigten Möbel­stücke und Kun­sto­b­jek­te bilden somit eine faszinierende Schnittstelle zwis­chen tra­di­tionellem Kun­sthandw­erk und frühem Design.

Hans Miedler Session 703 Edit
Konsolentische L: 112 cm, B: 52 cm, H: 84 cm
Hans Miedler Session 693 Edit
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Hans Miedler Konsolentisch Glasperlen