Wiener Salon Aufwahrtetisch 1920 1930 Wilhelm Foltin 002

Salon- oder Aufwartetisch von Wilhelm Foltin

Wien 1920/1930; Entwurf: Wilhelm Foltin, Ausführung: Johann Kutscherowsky, Intarsien: Makowetz

Extrav­a­gant und sehr aufwendig aus­ge­führtes Tis­chmod­ell, welch­es Wil­helm Foltin (1890- 1970), einem Schüler Josef Hoff­manns, zugeschrieben wer­den kann. Die handw­erk­liche Aus­führung dürfte, so wie auch bei der von Foltin für seine Frau ent­wor­fe­nen Schlafz­im­mere­in­rich­tung, die heute im Besitz des Hof­mo­bilien­de­pots ist, von Johann Kutscherowsky stammen.

Ver­mut­lich wur­den die aufwendi­gen Intar­sien, so wie auch bei Foltins Schlafz­im­mer Entwurf, von einem Her­rn Makowetz ausgeführt.

Die runde Tis­ch­plat­te, mit hoher leicht nach innen ver­set­zter bombiert­er und reich mit Wein­laub und Trauben beschnitzter Zarge, ist in Pal­isander furniert und Schel­lack poli­tiert gear­beit­et.

Die über­aus fein intar­sierten vier Blu­men­arrangements sind aus unzäh­li­gen Edel­hölz­ern, in Form von Blu­men, Blät­tern, Frücht­en, sowie mit je einem intar­sierten Band gestal­tet. Zwis­chen den flo­ralen Intar­sien find­en wir intar­sierte Früchte, wie Bir­nen, Wein­trauben, Zwetschken und Äpfel (Granat?); die Mitte der Tis­ch­plat­te bildet ein intar­siert­er Stern.

Der auf­fäl­lig gear­beit­ete Tis­ch­fuss hat einen okto­go­nen, sich ver­jün­gen­den Schaft, welch­er aus acht gerun­de­ten Seg­menten beste­ht und in ein bombiertes Mit­telele­ment überge­ht, aus dem die vier gebo­gen, und mit Wein­laub und Trauben beschnitzte Füße kom­men.

Ein abso­lut aus­ge­fal­l­en­er Tisch und ein schönes Beispiel, dass man auch in Öster­re­ich in den 1920iger Jahren her­aus­ra­gende Möbel ent­wor­fen und gefer­tigt hat. Einen ver­gle­ich­baren intar­sierten Speisetisch mit Wein­laub und Trauben beschnitzter Zarge, find­en wir in ein­er Ein­rich­tung von Architek­ten Willy Foltin, siehe SW Abbil­dung unten.

Einen ver­gle­ich­baren Salon­tisch hat­ten wir bere­its in unser­er Kollek­tion, siehe HIER.

Wil­helm Foltin (1890 — 1970):
Er studierte an der Wiener Kun­st­gewerbeschule unter Pro­fes­sor Josef Hoff­mann Architek­tur. Bere­its in sein­er Frühzeit war er für die Wiener Werk­stätte tätig in dem er Stoffe für dies ent­warf. Nach seinem Kriegs­di­enst von 1914- 1918 studierte er unter Alexan­der Popp an der Akademie der bilden­den Kün­ste in Wien und inskri­bierte auch an der Tech­nis­chen Hochschule in Wien.
In den Jahren 1918- 1920 war er auch im Baubüro von Josef Hoff­mann beschäftigt. Im Jahre 1940 erhielt Foltin sein Diplom als Architekt. In den Jahren 1942 – 1944 hat­te er einen Lehrauf­trag an der Akademie für Möbel und Mod­ell­bau. Die Möbel und Ein­rich­tun­gen waren naturgemäß von der Stilis­tik der Wiener Werk­stät­ten bee­in­flusst und geprägt. 1966 erhielt Wil­helm Foltin seinen Pro­fes­sor Titel.

Lit­er­atur:
Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Hei­del­berg / his­torische dig­i­tale Bestände.
Die gesamte Wohnkun­st in Bild und Wort”, Her­aus­ge­ber: Hofrat Alexan­der Koch. XXXV Jahrgang Jan­u­ar Heft, 1924 Seite 393.
Innen­deko­ra­tion: Mein Heim, mein Stolz; Wohnen zwis­chen den Kriegen; Wiener Möbel 1914- 1941 / Museen des Mobilien­de­pots Seite 72 – 77
Nach­fol­gend find­en Sie einen Auszug aus dem Jour­nal​“Die gesamte Wohnkun­st in Bild und Wort“ worin Foltin seine Gedanken zum The­ma Architek­tur und Ein­rich­tung wiedergibt.
Dies ermöglicht uns ein besseres Ver­ste­hen der Gedanken und Ideen, aus welchen sich Architek­tur und Ein­rich­tungsstil dieser Zeit­epoche entwick­elt haben:

Ein­rich­tung — Ein­füh­lung
Einige Randbe­merkun­gen:
Das Heim des Men­schen ist ein Stück seines Lebens.
Demgemäß ist es die Auf­gabe des Ein­richters, den Bauher­rn und Bewohn­er mit den Ein­rich­­tungs-Stück­­en zu umgeben, die dessen Wesen entsprechen.
Ehe man das Haus oder den Raum erbaut oder ausstat­tet, wird man den Bauher­rn sozusagen »mit­ten in den Raum« stellen und die Beziehun­gen zwis­chen ihm und dem Raum, die »Phys­iog­nomie« des Raumes klarzule­gen suchen.

Man wird den Auf­tragge­ber anre­gen, selb­st zu sagen:
Hier will ich arbeit­en, hier essen, hier meine Büch­er lesen, hier meine Gäste emp­fan­gen. Man wird suchen, her­auszufind­en, wie der Bauherr sich zum Leben und zur Kun­st stellt, und danach streben, ihm soweit seinen Willen zu lassen, daß er sich heimisch fühlt in der neuen Umge­bung, und ihm in seinem Heim die for­mgebende Hand des Architek­ten gar nicht mehr zum Bewußt­sein kommt.

Ist der Raum bere­its gegeben, dann sind zunächst Türen und Fen­ster ein­er Prü­fung zu unterziehen, ob sie belassen wer­den kön­nen, da ihre Lage für die Raum-Ein­teilung und Licht-Verteilung von größter Bedeu­tung ist. Die Wand­be­hand­lung ist meist schon entschei­dend für die Raumwirkung.

Bei Stof­fen ver­mei­de man jede unnatür­liche Raf­fung; man wäh­le helle Stoffe und lasse sie ruhig und ein­fach fließen in ungekün­stel­tem Fal­ten-warf. Die Ein­rich­­tungs-Stücke seien ein­heitlich im Charak­ter,- aber nicht ein­heitlich in der Form. Man nehme keine durchge­hen­den Höhen­maße. mit dem Pro­fil des Tis­ches sollte nicht in gle­ich­er Höhe ein Pro­fil des Kas­tens übere­in­stim­men, die Wand­sock­el­höhe sollte nicht an den Ses­selfüßen wiederkehren, das gibt zu starre Bindung …

Man ver­mei­de die »Uni­forme in der Gestal­tung der Ein­rich­­tungs- Stücke,- aus der Bes­tim­mung jedes einzel­nen Stück­es soll sich seine Form ergeben.
Möbel, Kästen, Kre­den­zen usw, stelle man nicht auf allzu schwere Sock­el, da diese den Ein­druck erweck­en, als ob die Möbel wuchtig aus der Erde her­vor­wüch­sen.

Schwere Sock­el zer­reißen die Ein­heit des Raum- Ein­drucks und behin­dern auch die Rein­hal­tung des Raumes.
Schnitzereien sind nur an mas­siv­en Holzteilen anzubrin­gen, und nur dort ange­bracht, wo die Kon­struk­tion mas­sive Teile bed­ingt.
Keine Schnitzereien auf furnierten Flächen ange­heftet! Nur wo die natür­liche Grund­lage im Mate­r­i­al für die Schnitzerei gegeben ist, wirkt sie angenehm, son­st unl­o­gisch und gekün­stelt.

Auf furnierten Flächen ist als Schmuck nur die Intar­sia möglich.
Da bei unseren Möbeln furnierte Flächen fast die Regel gewor­den sind, so sollte die Intar­sia- Arbeit häu­figer zu sehen sein.
Es bieten sich hier viele neue Möglichkeit­en. Jedes Mate­r­i­al erfordert eine beson­dere Ein­füh­lung. Was in Holz zier­lich wirkt, ist in Met­all zu schw­er, und die Form, die dem Met­all entspricht, ist in Holz zer­brech­lich; jedes Mate­r­i­al bed­ingt also andere For­men.
Endlich noch Eines: jeden Entwurf im Geist aus­reifen lassen, ehe man ihn zu Papi­er bringt, noch weit­er aus­reifen lassen, ehe man ihn in das Mate­r­i­al umset­zt.
WILLY FOLTIN.

Wiener Salon Aufwahrtetisch 1920 1930 Wilhelm Foltin 006
Wiener Salontisch von Wilhelm Foltin Dm: 99 cm, H: 73.5 cm
Wiener Salon Aufwartetisch 1920 1930 Wilhelm Foltin 004
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Wiener Salon Aufwahrtetisch 1920 1930 Wilhelm Foltin 003
Einrichtung Wilhelm Foltin