Satz von sechs Armstühlen aus dem Hauptgebäude der Universität Wien an der Wiener Ringstraße
Die sechs Armstühle sind wunderschön in Eiche ausgeführt; Sitz und Lehne sind profiliert, die Armstützen ornamental beschnitzt gefertigt.
Die beiden vorderen Füße der Armstühle sind gedrechselt, die beiden hinteren leicht ausgestellt gearbeitet. Alle vier Füße sitzen in Messing-Sabots. Sitz, Rückenlehne und Armstützen sind gepolstert ausgeführt und wurden neu in unserer Werkstätte aufgearbeitet und mit Alcantara bezogen.
Ein Satz von sechs Armstühlen mit einer ganz besonderen Wiener Historie aus der Entstehungszeit des Wiener Prachtboulevards „der Wiener Ringstraße“. Der Bau der Wiener Ringstraße sollte am Ende bis zu seiner gesamten Fertigstellung mehr als 50 Jahre benötigen.
Im Dezember 1857 erschienen in der Wiener Zeitung die geschichtsträchtigen Worte Kaiser Franz Josephs: „Es ist mein Wille …“. Das berühmte kaiserliche Handschreiben vom 20. Dezember 1857 markiert den historischen Startschuss für die moderne Stadtentwicklung Wiens.
Hier schrieb Kaiser Franz Joseph an seinen damaligen Innenminister Freiherrn von Bach:
„Lieber Freiherr von Bach! Es ist Mein Wille, dass die Erweiterung der inneren Stadt Wien mit Rücksicht auf eine entsprechende Verbindung derselben mit den Vorstädten ehestens in Angriff genommen und hierbei auch auf die Regulierung und Verschönerung Meiner Residenz- und Reichshauptstadt Bedacht genommen werde.“
Ein erster Teilabschnitt vom Burgtor bis zum Stubentor wurde bereits am 1. Mai 1865 feierlich eröffnet.
Erst im Jahr 1913 wurde als letzter Bau der Wiener Ringstraße das k. u. k. Kriegsministerium am Stubenring eröffnet. Die Gesamtlänge des Prachtboulevards beträgt 5,3 Kilometer.
Es war wohl eines der bedeutendsten und zu den größten zählenden Bauprojekte in Europa jener Tage.
Nur sehr selten findet sich die Möglichkeit, Stühle, welche sowohl die Zeitgeschichte als auch den Zeitgeschmack einer Epoche des Aufbruchs so schön widerspiegeln, erwerben zu können.
Allein das Wissen, auf Armstühlen zu sitzen, welche seit über 140 Jahren von honorigen Gästen und Professoren der Wiener Ringstraßen-Universität, erbaut von dem Ringstraßen-Architekten Heinrich von Ferstel, zu besonderen Anlässen genutzt und benutzt wurden, gibt jeder Einladung ein ganz besonderes Flair und jedem Gast mit Sicherheit ein ganz besonderes Gefühl der Wertschätzung seines Gastgebers.
Seltene Stühle mit musealer Wiener Geschichte …
Weiterführend:
Das Hauptgebäude der Universität Wien an der Ringstraße
Seit dem Wintersemester 1884 ist das monumentale Hauptgebäude an der Ringstraße der offizielle Sitz der Universität Wien. Im Zuge der Revolutionsniederschlagung im Oktober 1848 hatte die Universität ihr früheres Hauptgebäude, die Neue Aula im Stubenviertel, verloren, und ihre Institute waren seitdem über die Vorstädte verteilt. Erst nach 36 Jahren hatte die Universität Wien mit ihrem Neubau wieder ein zentrales Dach, unter dem geforscht und gelehrt werden konnte. Doch das „Haus“ einer Universität ist immer mehr als eine Behausung, denn es ist vor allem der Ort der realen Begegnung unter Lehrenden und Studierenden, also der Raum, in dem die Gemeinschaft, die universitas, überhaupt entstehen kann.
So wird die Architektur selbst zum Identifikationsraum der Institution. Dabei sind die Ansprüche, die von den verschiedenen Mitgliedern der Auftraggeberkommission an die möglichen Architekten gestellt werden, keineswegs einheitlich oder konstant. Der genaue Blick auf das Hauptgebäude macht deutlich, welches (Selbst-)Verständnis der Universität sich hier widerspiegelt.
Standortsuche
Eine Rückkehr der potenziell aufständischen Studenten nach der Revolution von 1848 in die historisch belastete Neue Aula als Ort des Mordkomplotts gegen den Kriegsminister Latour war ausgeschlossen. So beschloss Kaiser Franz Joseph im Mai 1854 den Neubau eines Universitätsgebäudes. Doch bis zur Eröffnung im Oktober 1884 sollte die Alma Mater Rudolphina noch weitere 30 Jahre ohne Zentrum bleiben.
Da die Medizinische Fakultät während der provisorischen Unterbringung besonders von der Nähe zum Allgemeinen Krankenhaus profitierte, beauftragte der Unterrichtsminister im April 1854 die beiden Akademie-Professoren Eduard van der Nüll und August von Sicardsburg mit der Erstellung eines Universitätsentwurfs für eine Baulücke direkt bei der Schwarzspanierkirche. Auf diesem repräsentativen Bauplatz hätte die Hauptfassade der neuen Universität direkt über das Glacis zum Schottentor geblickt. An eine Aufgabe der Befestigungsanlagen und des unverbaubaren Glacis dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand.
Das ansteigende Gelände des Glacis vor dem Schottentor wollte sich jedoch im Jahr darauf ein anderer Architekt für seinen Monumentalbau zunutze machen. Der erst 26-jährige Schüler von Sicardsburg und van der Nüll, Heinrich von Ferstel, hatte den Wettbewerb um die Votivkirche gewonnen, und er wollte seinen Entwurf für diesen staatstragenden Bau zur besten Sichtbarkeit direkt auf diesem Terrain errichten.
Ganz im Sinne des von Thun-Hohenstein angestrebten „katholischen Charakters“ der Universität einigten sich die drei Architekten zunächst auf eine architektonische Verbindung von Universität und Kirche, bei der das Hauptgebäude einen Kranz um den Chor des Sakralbaus gebildet hätte. Doch auch diese civitas universitatis kam nicht zustande, und das gesamte Bauvorhaben stagnierte wieder bis 1868, als schließlich Heinrich von Ferstel selbst mit Vorarbeiten für den Neubau beauftragt wurde.
Heinrich von Ferstel (1828 – 1883) und der Palast der Wissenschaften
Doch auch Ferstel gelang auf dem unregelmäßigen Baugrund nicht auf Anhieb eine ästhetisch gelungene Kombination der beiden Institutionen. Erst mit der Aussicht auf den repräsentativen Platz direkt an der Ringstraße ab 1869 stürzte sich Ferstel mit neuer Begeisterung in die Planung, um nun der Universität ein angemessenes Bauwerk im Kontext der Prachtallee zu errichten. Während sich die ersten Skizzen stilistisch noch an den beiden Nachbarbauten Parlament und Rathaus orientierten, zielte der zweite Entwurf auf einen wuchtigen Monumentalbau, der sich ganz dezidiert auf Renaissance-Vorbilder bezog. Die wenigen erhaltenen Akten zur Stildebatte offenbaren, dass das Gebäude vom Grundriss über den Stil bis zur Ausstattung das Selbstverständnis einer deterministischen Wissenschaftsauffassung darstellt, die am Ende einen „Sieg des Lichts über die Finsternis“ versprach. So bemühte sich Ferstel, den Lichtgedanken in Architektur und Dekoration deutlich zu machen, und gab dieses Thema auch für den Festsaal vor. Doch als um 1894 die Künstler Franz Matsch und Gustav Klimt mit dieser Aufgabe betraut wurden, mündete dies in einem der größten Kunstskandale des 20. Jahrhunderts, da sich zumindest Klimt bereits ein ganzes Stück von der Wissenschaftsauffassung des 19. Jahrhunderts entfernt hatte und er das deterministische Weltbild einer Vielzahl der Professoren nicht durch affirmative Allegorien stützen wollte.
Am 10. Oktober 1884 wurde die Universität in Anwesenheit des Kaisers feierlich eröffnet. Die dekorative Ausgestaltung nahm danach jedoch noch Jahre in Anspruch …