Universitats Armstuhle 001

Satz von sechs Armstühlen aus dem Hauptgebäude der Universität Wien an der Wiener Ringstraße

Wien um 1884

Die sechs Arm­stüh­le sind wun­der­schön in Eiche aus­ge­führt; Sitz und Lehne sind pro­fil­iert, die Arm­stützen orna­men­tal beschnitzt gefertigt.

Die bei­den vorderen Füße der Arm­stüh­le sind gedrech­selt, die bei­den hin­teren leicht aus­gestellt gear­beit­et. Alle vier Füße sitzen in Mess­ing-Sabots. Sitz, Rück­en­lehne und Arm­stützen sind gepol­stert aus­ge­führt und wur­den neu in unser­er Werk­stätte aufgear­beit­et und mit Alcan­tara bezogen.

Ein Satz von sechs Arm­stühlen mit ein­er ganz beson­deren Wiener His­to­rie aus der Entste­hungszeit des Wiener Pracht­boule­vards der Wiener Ringstraße“. Der Bau der Wiener Ringstraße sollte am Ende bis zu sein­er gesamten Fer­tig­stel­lung mehr als 50 Jahre benötigen.

Im Dezem­ber 1857 erschienen in der Wiener Zeitung die geschicht­strächti­gen Worte Kaiser Franz Josephs: Es ist mein Wille …“. Das berühmte kaiser­liche Hand­schreiben vom 20. Dezem­ber 1857 markiert den his­torischen Startschuss für die mod­erne Stad­ten­twick­lung Wiens.

Hier schrieb Kaiser Franz Joseph an seinen dama­li­gen Innen­min­is­ter Frei­her­rn von Bach:

Lieber Frei­herr von Bach! Es ist Mein Wille, dass die Erweiterung der inneren Stadt Wien mit Rück­sicht auf eine entsprechende Verbindung der­sel­ben mit den Vorstädten ehestens in Angriff genom­men und hier­bei auch auf die Reg­ulierung und Ver­schönerung Mein­er Res­i­denz- und Reichshaupt­stadt Bedacht genom­men werde.“

Ein erster Teil­ab­schnitt vom Burgtor bis zum Stuben­tor wurde bere­its am 1. Mai 1865 feier­lich eröffnet.

Erst im Jahr 1913 wurde als let­zter Bau der Wiener Ringstraße das k. u. k. Kriegsmin­is­teri­um am Stuben­ring eröffnet. Die Gesamtlänge des Pracht­boule­vards beträgt 5,3 Kilometer.

Es war wohl eines der bedeu­tend­sten und zu den größten zäh­len­den Baupro­jek­te in Europa jen­er Tage.

Nur sehr sel­ten find­et sich die Möglichkeit, Stüh­le, welche sowohl die Zeit­geschichte als auch den Zeit­geschmack ein­er Epoche des Auf­bruchs so schön wider­spiegeln, erwer­ben zu können.

Allein das Wis­sen, auf Arm­stühlen zu sitzen, welche seit über 140 Jahren von hon­ori­gen Gästen und Pro­fes­soren der Wiener Ringstraßen-Uni­ver­sität, erbaut von dem Ringstraßen-Architek­ten Hein­rich von Fer­s­tel, zu beson­deren Anlässen genutzt und benutzt wur­den, gibt jed­er Ein­ladung ein ganz beson­deres Flair und jedem Gast mit Sicher­heit ein ganz beson­deres Gefühl der Wertschätzung seines Gastgebers.

Sel­tene Stüh­le mit muse­al­er Wiener Geschichte …

Weit­er­führend:

Das Haupt­ge­bäude der Uni­ver­sität Wien an der Ringstraße

Seit dem Win­terse­mes­ter 1884 ist das mon­u­men­tale Haupt­ge­bäude an der Ringstraße der offizielle Sitz der Uni­ver­sität Wien. Im Zuge der Rev­o­lu­tion­snieder­schla­gung im Okto­ber 1848 hat­te die Uni­ver­sität ihr früheres Haupt­ge­bäude, die Neue Aula im Stuben­vier­tel, ver­loren, und ihre Insti­tute waren seit­dem über die Vorstädte verteilt. Erst nach 36 Jahren hat­te die Uni­ver­sität Wien mit ihrem Neubau wieder ein zen­trales Dach, unter dem geforscht und gelehrt wer­den kon­nte. Doch das Haus“ ein­er Uni­ver­sität ist immer mehr als eine Behausung, denn es ist vor allem der Ort der realen Begeg­nung unter Lehren­den und Studieren­den, also der Raum, in dem die Gemein­schaft, die uni­ver­si­tas, über­haupt entste­hen kann.

So wird die Architek­tur selb­st zum Iden­ti­fika­tion­sraum der Insti­tu­tion. Dabei sind die Ansprüche, die von den ver­schiede­nen Mit­gliedern der Auf­tragge­berkom­mis­sion an die möglichen Architek­ten gestellt wer­den, keineswegs ein­heitlich oder kon­stant. Der genaue Blick auf das Haupt­ge­bäude macht deut­lich, welch­es (Selbst-)Verständnis der Uni­ver­sität sich hier widerspiegelt.

Stan­dort­suche

Eine Rück­kehr der poten­ziell auf­ständis­chen Stu­den­ten nach der Rev­o­lu­tion von 1848 in die his­torisch belastete Neue Aula als Ort des Mord­kom­plotts gegen den Kriegsmin­is­ter Latour war aus­geschlossen. So beschloss Kaiser Franz Joseph im Mai 1854 den Neubau eines Uni­ver­sitäts­ge­bäudes. Doch bis zur Eröff­nung im Okto­ber 1884 sollte die Alma Mater Rudol­phi­na noch weit­ere 30 Jahre ohne Zen­trum bleiben.

Da die Medi­zinis­che Fakultät während der pro­vi­sorischen Unter­bringung beson­ders von der Nähe zum All­ge­meinen Kranken­haus prof­i­tierte, beauf­tragte der Unter­richtsmin­is­ter im April 1854 die bei­den Akademie-Pro­fes­soren Eduard van der Nüll und August von Sicards­burg mit der Erstel­lung eines Uni­ver­sität­sen­twurfs für eine Baulücke direkt bei der Schwarzs­panierkirche. Auf diesem repräsen­ta­tiv­en Bau­platz hätte die Haupt­fas­sade der neuen Uni­ver­sität direkt über das Glacis zum Schot­ten­tor geblickt. An eine Auf­gabe der Befes­ti­gungsan­la­gen und des unver­baubaren Glacis dachte zu diesem Zeit­punkt noch niemand.

Das ansteigende Gelände des Glacis vor dem Schot­ten­tor wollte sich jedoch im Jahr darauf ein ander­er Architekt für seinen Mon­u­men­tal­bau zunutze machen. Der erst 26-jährige Schüler von Sicards­burg und van der Nüll, Hein­rich von Fer­s­tel, hat­te den Wet­tbe­werb um die Votivkirche gewon­nen, und er wollte seinen Entwurf für diesen staat­stra­gen­den Bau zur besten Sicht­barkeit direkt auf diesem Ter­rain errichten.

Ganz im Sinne des von Thun-Hohen­stein angestrebten katholis­chen Charak­ters“ der Uni­ver­sität einigten sich die drei Architek­ten zunächst auf eine architek­tonis­che Verbindung von Uni­ver­sität und Kirche, bei der das Haupt­ge­bäude einen Kranz um den Chor des Sakral­baus gebildet hätte. Doch auch diese civ­i­tas uni­ver­si­tatis kam nicht zus­tande, und das gesamte Bau­vorhaben stag­nierte wieder bis 1868, als schließlich Hein­rich von Fer­s­tel selb­st mit Vorar­beit­en für den Neubau beauf­tragt wurde.

Hein­rich von Fer­s­tel (1828 – 1883) und der Palast der Wissenschaften

Doch auch Fer­s­tel gelang auf dem unregelmäßi­gen Bau­grund nicht auf Anhieb eine ästhetisch gelun­gene Kom­bi­na­tion der bei­den Insti­tu­tio­nen. Erst mit der Aus­sicht auf den repräsen­ta­tiv­en Platz direkt an der Ringstraße ab 1869 stürzte sich Fer­s­tel mit neuer Begeis­terung in die Pla­nung, um nun der Uni­ver­sität ein angemessenes Bauw­erk im Kon­text der Prach­tallee zu erricht­en. Während sich die ersten Skizzen stilis­tisch noch an den bei­den Nach­bar­baut­en Par­la­ment und Rathaus ori­en­tierten, zielte der zweite Entwurf auf einen wuchti­gen Mon­u­men­tal­bau, der sich ganz dezi­diert auf Renais­sance-Vor­bilder bezog. Die weni­gen erhal­te­nen Akten zur Stilde­bat­te offen­baren, dass das Gebäude vom Grun­driss über den Stil bis zur Ausstat­tung das Selb­stver­ständ­nis ein­er deter­min­is­tis­chen Wis­senschaft­sauf­fas­sung darstellt, die am Ende einen Sieg des Lichts über die Fin­ster­n­is“ ver­sprach. So bemühte sich Fer­s­tel, den Lichtgedanken in Architek­tur und Deko­ra­tion deut­lich zu machen, und gab dieses The­ma auch für den Fest­saal vor. Doch als um 1894 die Kün­stler Franz Matsch und Gus­tav Klimt mit dieser Auf­gabe betraut wur­den, mün­dete dies in einem der größten Kun­st­skan­dale des 20. Jahrhun­derts, da sich zumin­d­est Klimt bere­its ein ganzes Stück von der Wis­senschaft­sauf­fas­sung des 19. Jahrhun­derts ent­fer­nt hat­te und er das deter­min­is­tis­che Welt­bild ein­er Vielzahl der Pro­fes­soren nicht durch affir­ma­tive Alle­gorien stützen wollte.

Am 10. Okto­ber 1884 wurde die Uni­ver­sität in Anwe­sen­heit des Kaisers feier­lich eröffnet. Die deko­ra­tive Aus­gestal­tung nahm danach jedoch noch Jahre in Anspruch …

Universitats Armstuhle 004
Satz von insgesamt sechs Armstühlen H: 90 cm, B: 65 cm, T: 71 cm
Universitats Armstuhle 005
Universitats Armstuhle 009
Universitat Aula
Aufnahme von der Aula in der k.k. Universität in Wien, 1892 Bildquelle: WStLA, Archivbibliothek: L 1035/2/4: Heinrich von Ferstel, Die k.k. Universität in Wien. Wien 1892 (Aufnahme datiert 1892)
Wien Museum Online Sammlung 105511 65 2
Weitere, historische Fotos vom Universitätsgebäude Bildquelle: Wien Museum Online Sammlung
Wien Museum Online Sammlung 49342 64 1 2