Seltenes Modell eines Thonet Armlehnstuhles
Ausführung in Buche und Buchenbugholz, auf Mahagoni gebeizt und Schellack politiert.
Rückenlehne mit verlaufend ausgeführten Rundstäben gestaltet, welche von Armstützen in geschwungener Ausführung begrenzt wird, ergonomische Sitzfläche, Füße mit Messing-Sabots sowie Verstrebungen gestaltet.
Am Sitzrahmen gestempelt und mit Etiketten signiert.
Besonders formschönes und seltenes Modell eines Thonet-Armlehnstuhles aus der Art Déco Zeit.
Der Beginn eines Weltunternehmens der „Gebrüder Thonet“:
Michael Thonet (1796 – 1871) war ein Protegé des österreichischen Staatskanzlers und Fürsten von Metternich, welcher ihn nach Wien einlud und ihm und seiner Familie diese Reise auch finanzierte.
Metternich sah die Arbeiten von Michael Thonet erstmals auf der Ausstellung der Gesellschaft der Kunstfreunde in Koblenz und war begeistert von dem innovativen Geist, welcher die Arbeiten Thonets so besonders machte. So verließ Michael Thonet mit seiner Familie 1842 seine Heimatstadt Boppard in Deutschland, um in Wien zu arbeiten und zu leben. Ein Schwerpunkt dieser Anfangszeit in Wien war sicherlich die Weiterentwicklung seiner Patente.
In Wien wurde er vom Architekten Peter Hubert Desvignes über Vermittlung des Fürsten von Metternich beauftragt, für das Palais Liechtenstein Möbel herzustellen. Dieser bewegte Thonet auch dazu, seine Produkte auf den verschiedenen Weltausstellungen zu präsentieren. Da Carl Leistler (Tischler und Parkettfabrikant) bereits einen Generalvertrag für Möbel und Fußböden innehatte, arbeitete Thonet bei diesem Auftrag für Leistler als Subunternehmer.
Gefertigt wurden wunderschöne, sehr aufwendige Parkettböden sowie Sitzmöbel im Stil des „Zweiten Rokoko“ für das Liechtensteinische Palais. Bereits auf der Londoner Weltausstellung 1851, zu deren Vorbereitung Michael Thonet bereits 1850 anreiste, waren einige Vorläufermodelle der Modellserie Nr. 5 zu sehen. Thonet zeigte in London erstmals ein Ensemble, bestehend aus Stuhl, Canapé und Armlehnstuhl.
In der Ausstellerliste wird Thonet bereits mit sechs verschiedenen Sesselmodellen, zwei Fauteuils, einem Canapé, zwei Tischen, einem Nähtisch, zwei Lesetischen und zwei Etageren erwähnt.
Aus der auf der Weltausstellung gezeigten Garnitur entwickelte er die späteren Serienmodelle Nr. 9 und Nr. 5, welche sich bis Mitte der 1870er-Jahre nebeneinander im Angebot fanden. Bereits im Jahre 1853 gründete Michael Thonet mit seinen fünf Söhnen das Unternehmen der Gebrüder Thonet und avancierte so zu dem erfolgreichsten Möbelhersteller des Industriezeitalters.
Durch den Wechsel der Technik von der Verleimung von Holzschichten zu der neuen und innovativen Technik, massives Rundholz über Wasserdampf zu biegen, gelang Thonet der Sprung zur industriellen und seriellen Produktion. Begleitet durch ein internationales Vertriebs- und Verkaufssystem avancierte Thonet zu einem weltweit agierenden Unternehmen. Der erste bekannte Verkaufskatalog der Gebrüder Thonet erschien im Jahre 1883 und hatte auf insgesamt 21 Seiten 219 Modelle abgebildet.
Bereits 1886 erschien ein zweiter, 1888 ein dritter Katalog der Gebrüder Thonet, welcher bereits auf 30 Seiten 339 verschiedene Modelle im Angebot hatte. Im Jahr 1911 umfasste der Gebrüder-Thonet-Katalog bereits ein Sortiment von 980 verschiedenen Möbelmodellen.