Josef Zotti Sitzgruppe 01 final

Josef Zotti (1884–1953), Sitzgruppe
Wien um 1911

ausgeführt von: Prag – Rudniker Korbwaren-Fabrikation

Doku­men­tiert in Wiener Ausstel­lung öster­re­ichis­ch­er Kun­sthandw­erke (Saal 28), Wien. Öster­re­ichis­ches Kun­st­gewerbe­mu­se­um (7. Novem­ber 19114. Feb­ru­ar 1912).” (s. his­torisches Foto Abb. unten) sowie in dem Buch Josef Zot­ti architet­to e design­er 1882 – 1953. Architekt und Designer“

Große Sitz­gruppe, beste­hend aus ein­er Zweisitzbank, zwei Arm­fau­teuils sowie einem rechteck­i­gen Tisch. Aus­ge­führt wur­den die Möbel aus gedrech­sel­tem Holz mit Stro­hge­flecht von der Korb­waren­fab­rika­tion Prag-Rud­niker 1911. Der Tisch dürfte wohl auf Kun­den­wun­sch in rechteck­iger Form gefer­tigt wor­den sein …

Der Architekt Josef Zot­ti hat einzi­gar­tige, hochin­ter­es­sante Möbel­stücke geschaf­fen, die die Viel­seit­igkeit von geflocht­en­em Stroh demon­stri­eren. In gewiss­er Weise lässt er ein aus­gestor­benes Handw­erk wieder aufleben. Die Gestelle der Ses­sel sind aus poliertem Ahorn­holz, während die Rück­en­lehnen aus geflocht­en­em Stroh beste­hen. Diese mit Stroh bezo­ge­nen Stüh­le sind außergewöhn­lich bequem und haben zudem einen eben­so exquis­iten Stil.“ So kom­men­tiert und charak­ter­isiert die Zeitschrift The Stu­dio“ Zot­tis Café-Restau­rant Loge“, das auf der Win­ter­ausstel­lung für öster­re­ichis­ches Kun­sthandw­erk präsen­tiert wurde und bei Experten auf großes Inter­esse stieß. Mit dieser Arbeit ent­fer­nte sich Zot­ti erhe­blich von seinen frühen Entwür­fen für Prag-Rud­nik, bei denen Rat­tan das Haupt­merk­mal war und die for­malen und tech­nis­chen Lösun­gen bee­in­flusst hatte.

Hier kom­binierte er eine streng geometrische Struk­tur aus gedrech­sel­tem, schwarz poliertem Holz mit Sitzflächen und Rück­en­lehnen aus geflocht­en­em Stroh. Zot­ti gab diesem Set, das aus einem Ses­sel, einem Sofa und einem Beis­telltisch bestand, ein strenges Design, wobei die gedrech­sel­ten Holzteile das einzige deko­ra­tive Ele­ment waren.

Dem endgülti­gen Mod­ell, das auf der Ausstel­lung gezeigt und in die Verkauf­skat­a­loge von Prag-Rud­nik aufgenom­men wurde, ging wahrschein­lich ein Pro­to­typ voraus; im Jahrbuch 1912 der englis­chen Zeitschrift The Stu­dio und in der Ausstel­lung der Architek­turk­lasse von Josef Hoff­mann erscheinen die gedrech­sel­ten Rund­stäbe der Struk­tur dün­ner und weniger aus­ge­wogen im Rhyth­mus. Zur Ein­rich­tung der Loge“ umfassten auch Vorhangstoffe, die nach Entwür­fen von Zot­ti von der Wiener Fir­ma S. E. Stein­er & Co. hergestellt wur­den (siehe Werkverze­ich­nis Nr. 36), sowie Beleuch­tungskör­p­er von Lud­wig Grandy.

Josef Zot­ti (1884 – 1953)

Josef Zot­ti war ein öster­re­ichis­ch­er Design­er und Architekt, dessen Werk aus dem intellek­tuellen und kün­st­lerischen Umfeld des Wien des frühen 20. Jahrhun­derts her­vorg­ing. Er studierte an der Kun­st­gewerbeschule in Wien bei Josef Hoff­mann, ein­er der führen­den Per­sön­lichkeit­en der Wiener Mod­erne. Hoff­manns Lehre, die auf for­maler Klarheit, struk­tureller Strenge und der Inte­gra­tion von Kun­st und Handw­erk beruhte, hat­te einen nach­halti­gen Ein­fluss auf Zot­tis Designansatz.

Obwohl Zot­ti später den größten Teil sein­er beru­flichen Lauf­bahn in Graz ver­brachte, blieb seine Wiener Aus­bil­dung grundle­gend. Seine Entwürfe spiegeln die Prinzip­i­en wider, die mit Hoff­mann und der Wiener Werk­stätte ver­bun­den sind – geometrische Zurück­hal­tung, funk­tionale Kohärenz und materielle Raf­fi­nesse –, über­set­zt in eine unver­wech­sel­bare und maßvolle per­sön­liche Sprache.

Lit­er­atur: Josef Zot­ti architet­to e design­er 1882 – 1953. Architekt und Design­er“, S. 34 f., S. 88 f., S. 130

Josef Zotti Sitzgruppe 12 final
Sitzgruppe von Josef Zotti Armfauteuils: H: 94 cm, Sitzfläche H: 44/45 cm, B: 53/54 cm, T: 55 cm; Bank: H: 94,5 cm, Sitzfläche H: 44/45 cm, B: 108 cm, T: circa 57 cm; Tisch: H: 72 cm, B: 77,5 cm, T: 62 cm
Josef Zotti Sitzgruppe 08 final
Josef Zotti Sitzgruppe 11 final
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Josef Zotti Sitzgruppe 05 final
Josef Zotti Sitzgruppe 06 final
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Historisches Foto Ausführung Prag - Rudniker Korbwaren-Fabrikation, Wien; Ausstellung Österreichisches Kunstgewerbe (Raum 28), Wien. Österreichisches Museum für Kunst und Industrie (7. November 1911 - 4. Februar 1912) u.v.m.