Josef Hoffmann Stuhle, Kohn, Hans Miedler Fine Art Wien

Seltenes frühes Paar Stühle, Josef Hoffmann 1905

Ausführung J. & J. Kohn, Modell Nr. 725

Sel­tener und sehr früher Entwurf eines Paares Stüh­le von Josef Hoff­mann, dem Begrün­der der Wiener Werk­stätte, aus­ge­führt von der bedeu­ten­den Möbel­man­u­fak­tur Jacob & Josef Kohn.

Das vor­liegende Paar Stüh­le ist in Buche und Buchen­bugholz hell gebeizt und in Schel­lack poliert ausgeführt.

Der beson­dere Entwurf dieser Stüh­le mit ihren durchge­hend aus einem Holz von der Lehne bis zu den Füßen gebo­ge­nen Seit­enele­menten sowie dem hufeisen­för­mi­gen Abschluss, auf welchem die vier Stuhlbeine ruhen, spiegelt den unglaublichen Ideen­re­ich­tum und die Ästhetik der Entwürfe Josef Hoff­manns wider.

Auch die bei­den Kugeln auf der Vorder­seite der Stüh­le, die nicht nur ein kon­struk­tives Ele­ment, son­dern auch ein von Hoff­mann gerne ver­wen­detes Stilele­ment sind, reflek­tieren sein außergewöhn­lich­es Gespür für For­men. Sitz und Lehne sind sehr ele­gant mit flach­er Pol­sterung aus­ge­führt, wur­den in unser­er Werk­stätte aufgear­beit­et und mit hellem Alcan­tara bezogen.

Etiket­ten, jew­eils an der Unter­seite mit J. & J. Kohn Budapest“ signiert.

Ein sel­ten zu find­en­des Paar Stüh­le, ins­beson­dere in dieser hellen Ausführung.

Lit­er­atur:

MAK – Muse­um für ange­wandte Kun­st Wien, Samm­lung, hier auf Mahag­o­ni gebeizt mit sam­tar­tigem Bezug, Inven­tar-Nr. 2957

Kat­a­log Kohn 1916, Seite 53

Ren­zi, Il mobile mod­er­no, Seite 200

Josef Hoff­mann (1870 – 1956):

Josef Hoff­mann wurde 1870 in Pirnitz/​Mähren in eine sozial und gesellschaftlich schwierige Zeit geboren; zugle­ich war es der Beginn der indus­triellen Rev­o­lu­tion mit all ihren pos­i­tiv­en und neg­a­tiv­en Seiten.

1892 begann er sein Architek­turstudi­um an der Akademie der bilden­den Kün­ste in Wien bei Carl von Hase­nauer und Otto Wag­n­er. Früh begeis­terte er sich für die englisch-schot­tis­che Kun­st­be­we­gung Arts & Crafts. Deren Vision war es, alle Lebens­bere­iche mit Kun­st zu erfüllen, All­t­ags- und Gebrauch­sob­jek­te schön­er und ästhetis­ch­er zu gestal­ten und kun­stvoll ent­wor­fene Gebrauchs­ge­gen­stände ein­er bre­it­eren Gesellschaftss­chicht zugänglich zu machen. Hoff­mann wie auch sein Lehrer Otto Wag­n­er waren der Auf­fas­sung, dass Kun­st sog­ar eine heilende Wirkung auf die men­schliche Seele haben könne. Sie ver­standen die Rolle des Architek­ten umfassender: Der Architekt sollte zugle­ich Design­er sein und auch alle zu ver­wen­den­den Gegen­stände neu entwer­fen. Diesem Cre­do blieb Hoff­mann zeitlebens treu.

Im jun­gen Alter von nur 29 Jahren wurde Hoff­mann zum Pro­fes­sor an der Uni­ver­sität für ange­wandte Kun­st in Wien ernan­nt. 1897 schloss er sich mit Gus­tav Klimt, Kolo­man Moser, Joseph Maria Olbrich, Carl Moll und anderen zur Vere­ini­gung Wiener Seces­sion zusam­men, die sich als Gegen­be­we­gung zu den etablierten Kun­stschaf­fend­en verstand.

1903 grün­dete er gemein­sam mit Kolo­man Moser und mit Unter­stützung des Indus­triellen Fritz Waern­dor­fer die Wiener Werkstätte.

Zu den ersten ikonis­chen Meis­ter­w­erken Hoff­manns zählt das 1904 real­isierte Sana­to­ri­um Purk­ers­dorf, bei dem er von der Innenein­rich­tung bis zu den Gärten alles bis ins kle­in­ste Detail ent­warf. Dieses Gesamtkunst­werk set­zte neue Maßstäbe für Architek­tur und Design.

Eines der bedeu­tend­sten Werke Josef Hoff­manns, mit dem ihm der inter­na­tionale Durch­bruch gelang, war das Palais Sto­clet in Brüs­sel (1905 – 1911). Hier kon­nte er seine Vision des Gesamtkunst­werks voll­ständig ver­wirk­lichen: Architek­tur und Design ver­schmelzen mit dem täglichen Leben, Kun­st wird zum ästhetis­chen Bestandteil unseres Alltags.

Ein inter­es­san­ter Aspekt zur Idee des Gesamtkunst­werks ist, dass bere­its Theophil Edvard Hansen eine ver­gle­ich­bare Vision von Gebäude und Ein­rich­tung ver­fol­gte und diese bei eini­gen sein­er Wiener Pro­jek­te umsetzte.

Die strenge und klare For­men­sprache der Entwürfe Hoff­manns war weg­weisend für die Mod­erne. Seine Arbeit­en wie auch jene von Adolf Loos sind Kunst­werke von zeit­los­er Ele­ganz, gefer­tigt in höch­st­möglich­er Qualität.

Bedeu­tend ist auch das Zitat von Le Cor­busier über Josef Hoffmann:

… heute, wo sich die neuen Gen­er­a­tio­nen die Früchte der Arbeit der wahren Weg­bere­it­er zu eigen machen, ist es nur gerecht, unsere Dankbarkeit zu bezeu­gen gegenüber Män­nern wie Pro­fes­sor Hoff­mann und gegenüber Unternehmungen, die so kühn waren wie die Wiener Werk­stätte. Endlich ist das, was beste­hen bleibt, das – unent­behrlich Über­flüs­sige – die Kunst.“

Josef Hoffmann Stuhle 04 final
Paar Josef Hoffmann Stühle H: 87 cm, Sitzhöhe: 47 cm, B: 43/44 cm, T: 52 cm
Josef Hoffmann Stuhle 08 final
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