Hans Miedler Fine Art Beleuchtung Paar Beleuchtete Amphoren

Paar große, beleuchtete Prunkamphoren

Italien, erste Hälfte 20. Jahrhundert

Die aufwendig aus geschlif­f­e­nen Glasperlen sowie Glas Baguet­ten gefer­tigten Amphoren, beste­hen aus einem hohen Sock­el, welch­er teil­weise mit ver­spiegel­ten Flächen aus­ge­führt ist. Der Sock­el ist mehrfach abge­set­zt mit Spiegelplat­ten, die mit Schnüren aus bern­ste­in­far­bigen Glasperlen umrahmt sind, aus­ge­führt. Die Mitte des konisch ver­laufend­en Sock­els ist nach innen bombiert aus einem Flechtwerk mit Glasperlen gearbeitet. 

Eines der vier Seg­mente ist als Türe zum Wech­seln der Glüh­bir­nen zu öff­nen. Bekrönt wird der Sock­el mit ein­er Spiegel gefer­tigten Plat­te, welche wiederum umlaufend mit Per­len­schnüren geziert ist. Die Amphore selb­st ist mit den ver­schieden­sten Mustern und Motiv­en zwei­far­big aus geschlif­f­e­nen Glasperlen und Baguet­ten gestal­tet. Der sich nach oben­hin ver­jün­gende Sock­el geht in den mit bern­ste­in­far­be­nen Perlen in Form von Blät­tern aus­ge­führten Rumpf der Amphore über. 

Dazwis­chen find­en wir große, fein geschlif­f­ene Glas­baguet­ten, über welchen sich mehrere Seg­mente mit in ver­schieden Größen geschlif­f­ene Glassteine befind­en. Der Hals und der Henkel der Amphore ist wun­der­schön in geschwun­gen Form ausgeführt. 

Objek­te wie diese bei­den Glasam­phoren, sind auch am inter­na­tionalen Markt nur sehr sel­ten zu find­en und sind ein absolutes Highlight.

Tra­di­tion und Geschichte der Glasver­ar­beitung in Mailand:

Die Tra­di­tion Mai­lands in der Glasver­ar­beitung geht schon auf das 16. Jahrhun­dert zurück. Eine der wohl bedeu­tend­sten Werk­stät­ten über­haupt war die Werk­statt der Sarac­chi, die berühmt für die Bergkristal­lver­ar­beitung war. Hier wur­den Schleif‑, Schnitt- und Gravurtech­niken ange­wandt, welche eng mit der Glass­chleifer­ei und deren Tech­niken ver­wandt sind. Hier­aus entwick­elte sich die Tra­di­tion der lom­bardis­chen Glass­ch­leif- und Gravurtech­niken des 18. Jahrhunderts. 

Mai­land hat­te darüber hin­aus eine große Tra­di­tion im Stein­schnitt (pietra dura und Bergkristall), aus welch­er die Tech­niken für das Glass­chleifen und die Glas­gravur über­nom­men wur­den. Erwäh­nenswert sind hier auch die Pina­cote­ca und die Accad­e­mia di Brera, die 1776 gegrün­det wur­den und ein sehr wichtiges akademis­ches Aus­bil­dungszen­trum – unter anderem für Gravur, Kupfer­stich und Zeich­nung – darstell­ten. Mai­land war zu dieser Zeit ein Zen­trum der deko­ra­tiv­en Kün­ste, und die Glass­chleifer­ei war Teil dieses lux­u­riösen Kunsthandwerks.

Im Ver­gle­ich zu Venedig erlangte Mai­land hinge­gen nie die Bekan­ntheit, die Venedig mit seinen pro­duzieren­den Glas­man­u­fak­turen erre­ichte. In Mai­land beschäftigte man sich mehr mit der Vere­delung, wie dem Gravieren, sowie dem Design und dem Han­del der hier ent­stande­nen Luxu­s­güter. Die hochspezial­isierten Werk­stät­ten pflegten enge Kon­tak­te zu den Kun­stakademien und waren somit in erster Lin­ie ein intellek­tuelles und tech­nis­ches Zen­trum. Dessen Wis­sen hat­te großen Ein­fluss auf das Handw­erk an vie­len europäis­chen Höfen – wie zum Beispiel in Prag am Hof von Kaiser Rudolf II, wo Mailän­der Handw­erk­er das Glas- und Kristallschleifen maßge­blich weiterentwickelten.

Ein span­nen­des, jedoch wenig bekan­ntes Kapi­tel ist die nordi­tal­ienis­che Kun­st­gewer­begeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhun­derts. Hier wur­den in der Gegend von Mai­land, in der Lom­bardei und in der Bri­an­za, Möbel aus Glasperlen und Baguet­ten hergestellt. In kleinen, spezial­isierten Werk­stät­ten ent­standen so Objek­te wie kleine Tis­che, Kon­solen, Amphoren und Spiegel­rah­men. Ab 1900 entwick­elte sich diese Region zu einem der wichtig­sten Zen­tren der ital­ienis­chen Möbel­pro­duk­tion. In der Zeit von 1900 bis 1940 war die Gegend geprägt von zahlre­ichen kleinen, spezial­isierten Handw­erks­be­trieben, Pol­ster­ern und Holzbear­beitung­sun­ternehmen, die den Grund­stein für die heutige Möbe­lin­dus­trie in der Region legten.

Viele dieser kleinen, spezial­isierten Unternehmen exper­i­men­tierten in diesen Jahren mit neuen Mate­ri­alien wie Glas, Glasperlen und Glassteinen, welche teil­weise auch aus Venedig bezo­gen wur­den. Großen Ein­fluss auf das Design und die Orna­men­tik der Objek­te hat­ten hier­bei auch wieder die Mailän­der Kun­st­gewerbeschulen wie die Accad­e­mia di Brera. Stilis­tisch sind diese Kun­sto­b­jek­te und Möbel zwis­chen Jugend­stil und Art Déco einzuord­nen.
Von der tech­nis­chen Seite her unter­schei­den sich diese aus Glas und anderen Mate­ri­alien gefer­tigten Kun­sto­b­jek­te durch ihre aufwendig auf Draht gefädel­ten Glassteine, Perlen und Baguet­ten deut­lich von den glas­ge­blase­nen Objek­ten aus Venedig. Diese aufwendig und kun­stvoll gefer­tigten Möbel­stücke und Kun­sto­b­jek­te bilden somit eine faszinierende Schnittstelle zwis­chen tra­di­tionellem Kun­sthandw­erk und frühem Design.

Hans Miedler Session 581
Prunkamphoren H: 204 cm, B: 54 cm, T: 46 cm
Hans Miedler Session 613
Hans Miedler Session 584
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Hans Miedler Session 610