Paar große, beleuchtete Prunkamphoren
Die aufwendig aus geschliffenen Glasperlen sowie Glas Baguetten gefertigten Amphoren, bestehen aus einem hohen Sockel, welcher teilweise mit verspiegelten Flächen ausgeführt ist. Der Sockel ist mehrfach abgesetzt mit Spiegelplatten, die mit Schnüren aus bernsteinfarbigen Glasperlen umrahmt sind, ausgeführt. Die Mitte des konisch verlaufenden Sockels ist nach innen bombiert aus einem Flechtwerk mit Glasperlen gearbeitet.
Eines der vier Segmente ist als Türe zum Wechseln der Glühbirnen zu öffnen. Bekrönt wird der Sockel mit einer Spiegel gefertigten Platte, welche wiederum umlaufend mit Perlenschnüren geziert ist. Die Amphore selbst ist mit den verschiedensten Mustern und Motiven zweifarbig aus geschliffenen Glasperlen und Baguetten gestaltet. Der sich nach obenhin verjüngende Sockel geht in den mit bernsteinfarbenen Perlen in Form von Blättern ausgeführten Rumpf der Amphore über.
Dazwischen finden wir große, fein geschliffene Glasbaguetten, über welchen sich mehrere Segmente mit in verschieden Größen geschliffene Glassteine befinden. Der Hals und der Henkel der Amphore ist wunderschön in geschwungen Form ausgeführt.
Objekte wie diese beiden Glasamphoren, sind auch am internationalen Markt nur sehr selten zu finden und sind ein absolutes Highlight.
Tradition und Geschichte der Glasverarbeitung in Mailand:
Die Tradition Mailands in der Glasverarbeitung geht schon auf das 16. Jahrhundert zurück. Eine der wohl bedeutendsten Werkstätten überhaupt war die Werkstatt der Saracchi, die berühmt für die Bergkristallverarbeitung war. Hier wurden Schleif‑, Schnitt- und Gravurtechniken angewandt, welche eng mit der Glasschleiferei und deren Techniken verwandt sind. Hieraus entwickelte sich die Tradition der lombardischen Glasschleif- und Gravurtechniken des 18. Jahrhunderts.
Mailand hatte darüber hinaus eine große Tradition im Steinschnitt (pietra dura und Bergkristall), aus welcher die Techniken für das Glasschleifen und die Glasgravur übernommen wurden. Erwähnenswert sind hier auch die Pinacoteca und die Accademia di Brera, die 1776 gegründet wurden und ein sehr wichtiges akademisches Ausbildungszentrum – unter anderem für Gravur, Kupferstich und Zeichnung – darstellten. Mailand war zu dieser Zeit ein Zentrum der dekorativen Künste, und die Glasschleiferei war Teil dieses luxuriösen Kunsthandwerks.
Im Vergleich zu Venedig erlangte Mailand hingegen nie die Bekanntheit, die Venedig mit seinen produzierenden Glasmanufakturen erreichte. In Mailand beschäftigte man sich mehr mit der Veredelung, wie dem Gravieren, sowie dem Design und dem Handel der hier entstandenen Luxusgüter. Die hochspezialisierten Werkstätten pflegten enge Kontakte zu den Kunstakademien und waren somit in erster Linie ein intellektuelles und technisches Zentrum. Dessen Wissen hatte großen Einfluss auf das Handwerk an vielen europäischen Höfen – wie zum Beispiel in Prag am Hof von Kaiser Rudolf II, wo Mailänder Handwerker das Glas- und Kristallschleifen maßgeblich weiterentwickelten.
Ein spannendes, jedoch wenig bekanntes Kapitel ist die norditalienische Kunstgewerbegeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hier wurden in der Gegend von Mailand, in der Lombardei und in der Brianza, Möbel aus Glasperlen und Baguetten hergestellt. In kleinen, spezialisierten Werkstätten entstanden so Objekte wie kleine Tische, Konsolen, Amphoren und Spiegelrahmen. Ab 1900 entwickelte sich diese Region zu einem der wichtigsten Zentren der italienischen Möbelproduktion. In der Zeit von 1900 bis 1940 war die Gegend geprägt von zahlreichen kleinen, spezialisierten Handwerksbetrieben, Polsterern und Holzbearbeitungsunternehmen, die den Grundstein für die heutige Möbelindustrie in der Region legten.
Viele dieser kleinen, spezialisierten Unternehmen experimentierten in diesen Jahren mit neuen Materialien wie Glas, Glasperlen und Glassteinen, welche teilweise auch aus Venedig bezogen wurden. Großen Einfluss auf das Design und die Ornamentik der Objekte hatten hierbei auch wieder die Mailänder Kunstgewerbeschulen wie die Accademia di Brera. Stilistisch sind diese Kunstobjekte und Möbel zwischen Jugendstil und Art Déco einzuordnen.
Von der technischen Seite her unterscheiden sich diese aus Glas und anderen Materialien gefertigten Kunstobjekte durch ihre aufwendig auf Draht gefädelten Glassteine, Perlen und Baguetten deutlich von den glasgeblasenen Objekten aus Venedig. Diese aufwendig und kunstvoll gefertigten Möbelstücke und Kunstobjekte bilden somit eine faszinierende Schnittstelle zwischen traditionellem Kunsthandwerk und frühem Design.